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Privatisierung: Schlüssel zur Lösung der globalen Wasserkrise?
Ohne Trinkwasser kann niemand überleben. Deshalb gehört die Wasserversorgung zu den grundlegenden Aufgaben der staatlichen Daseinsvorsorge. Sie ist fast überall auf der Welt öffentlich organisiert - noch. Von Ingrid Spiller
 

Wasser ist Leben, „ Quelle der Kultur“, „Das erste Element“, „Das blaue Gold“, –  vielfältig sind die Begriffe, mit denen die herausragende Bedeutung  von Wasser als grundlegendes und lebensnotwendiges Element für die ökonomische und menschliche Entwicklung beschrieben wird. Ohne Trinkwasser kann niemand überleben. Deshalb gehört die Wasserversorgung zu den grundlegenden Aufgaben der staatlichen Daseinsvorsorge. Sie ist fast überall auf der Welt öffentlich organisiert.

Das bedeutet nicht nur, ein Verteilungssystem zu organisieren und instand zu halten, das allen Menschen einen gesicherten Zugang zu Wasser gewährleistet. Dazu gehört auch, die benötigten Wassermengen zu sichern, indem z.B. Einzugsgebiete erhalten, Grundwasservorkommen, Flüsse und Seen geschützt werden und übermässiger Verbrauch im Sinne von Nachhaltigkeit reduziert wird.

Wasserversorgung in der Krise

Viele Staaten – insbesondere Entwicklungsländer – werden diesen Herausforderungen jedoch nicht gerecht. Sie schaffen es nicht, eine grundlegende Wasserversorgung und noch weniger eine ausreichende Abwasserentsorgung für alle Bevölkerungsteile zu gewährleisten.

Gegenwärtig haben über 18% der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, über 40% der Menschen müssen ohne sanitäre Einrichtungen auskommen, mit steigender Tendenz wie die Hochrechnungen der Vereinten Nationen zeigen. Jährlich sterben ca 2,2 Millionen Menschen an Krankheiten, die als Folge von verschmutztem Trinkwasser, fehlenden sanitären Einrichtungen und schlechten hygienischen Bedingungen auftreten. Die Mehrheit von ihnen sind Kinder. Ein großer Teil der Menschen, die in Entwicklungsländern leben, leiden unter Krankheiten, die durch den Genuss von verunreinigtem Wasser verursacht werden.

Der Zugang zu der lebensnotwendigen Ressource Wasser ist regional und sozial sehr ungleich verteilt. Die meisten Länder des Nordens sind reichlich mit dieser Ressource ausgestattet und gewährleisten eine zumindest ausreichende Grundversorgung ihrer Bevölkerung. Wasserknappheit ist ein Problem, mit dem vor allem Länder des Südens konfrontiert sind. Auch die interne Verteilung ist in vielen dieser Ländern ungleich und ungerecht: Während die Wohlhabenden im wahrsten Sinne des Wortes in ihren Swimming Pools “im Wasser schwimmen”, können die armen Bevölkerungsschichten ihren Bedarf kaum decken - mit den beschriebenen gravierenden Folgen.

Während die Trinkwasserkrise in unterentwickelten Ländern und Schwellenländern für viele Menschen eine ernste, oft auch lebensbedrohende Notsituation bedeutet, da die Grundversorgung nicht gewährleistet ist, zeigt sie sich in den Ländern des Nordens eher als Krise der öffentlichen Finanzen. Jahrzehntelang wurde vernachlässigt, notwendige Rücklagen zu bilden. Die Auswirkungen sind im schlimmsten Fall Finanzierungsschwierigkeiten bei Sanierungsmaßnahmen der Verteilungsnetze – aber nichts, was die Grundversorgung der Bevölkerung gefährden würde.

Im Jahr 2000 haben die Regierungen der Welt mit der „Millenniumserklärung“ der Vereinten Nationen erstmals eine klare quantitative und zeitliche Vorgabe formuliert, wie der Wasserknappheit bis zum Jahr 2015 begegnet werden soll. Der Aktionsplan des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung von Johannesburg im Jahr 2002 hat dieses Ziel bekräftigt und um den Bereich der Abwasserentsorgung ergänzt: Halbierung der Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Abwasserentsorgungssystemen haben. Was jedoch fehlt, sind klare Strategien, wie diese Ziele umgesetzt werden können.

Ingrid Spiller ist Referentin für Internationale Politik der HBS.

Der Text kann hier heruntergeladen werden (pdf, 7 Seiten, 39 KB)

 
Blog: Baustellen der Globalisierung
 
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