Im Open Hearing, das im Rahmen des EcoFair Trade Dialogues von Heinrich-Böll-Stiftung, Misereor und Wuppertal-Institut stattfand, hatte der kanadische Farmer Bruce Saunders das erste Wort. Der Milchbauer brach eine Lanze für staatliche Regulierung, wie sie in seinem Land praktiziert wird. “Wir Milchbauern versorgen vor allem den kanadischen Markt und exportieren kaum”, erklärt er die Lage. Eine Regulierungsbehörde legt die Quoten fest: wieviel Milch produziert werden soll und wie hoch der Preis ist, den ein Farmer pro Liter bekommt. Direkte Zuschüsse gibt es nicht, dafür eben die regulierten Preise – und Zölle, die zu hohe Billigimporte aus dem Ausland abhalten sollen.
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“Diese Zölle wollen andere Länder, die mehr nach Kanada exportieren wollen, hier in Hongkong aufgehoben sehen.” Doch Saunders betont, wie wichtig er die Marktregulierung findet. Ohne die Regulierung könne es sehr gut passieren, dass die unsubventionierten Farmer hohe Verluste schreiben würden – “und das kann doch niemand wollen.”

Seine Hoffnung ist, dass die kanadische Regierung einen Sonderstatus für Milch als “spezielles Produkt” aushandelt, um das System beizubehalten. “Viele denken, die Verbraucher leiden unter hohen Preisen, weil wir festgesetzte Preise haben”, greift Saunders einen von Krtitikern oft gehörten Vorwurf auf. Doch der Vergleich mit dem nahen, liberalisierten US-Markt habe gezeigt, dass Milch in Kanada deutlich billiger sei. “Das liegt aus unserer Sicht unter anderem an der Verlässlichkeit der Preise, die vom Regulierer für ein Jahr im Voraus festgelegt werden.”
Von solcher Stabilität kann die Kenianerin Monica Amolo nur träumen. Sie bewirtschaftet eine Baumwollfarm am Viktoria-See, rund 800 Kilometer westlich der Hauptstadt Nairobi. “In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Lage für uns Baumwollfarmer ständig verschlechtert, einhergehend mit der wirtschaftlichen Liberalisierung.” Früher habe der Staat ein Kreditsystem für die Farmer finanziert, das ihnen in Notzeiten half. Der Staat verkaufte den Bauern auch Saatgut, das im ländlichen Kenia sonst kaum zu bekommen ist. Außerdem habe er die Farmer auch mit Beratung und Anbauanreizen unterstützt, so Amolo.

Aber dann seien IWF und Weltbank gekommen und hätten Kenia zur “Strukturanpassung” gezwungen. “Das hieß: In den vergangenen Jahren sind all diese Vorteile nach und nach gestrichen worden.” Die Gründung der WTO habe die Lage dann zusätzlich verschlimmert. Auf einmal hätten die ohnehin gebeutelten Farmer es auch noch mit hoch subventionierter Ware aus dem Norden zu tun gehabt, die Kenias Märkte zu Dumpingpreisen überschwemmt hätten. “Jetzt sollen wir mit Farmern in den Wettbewerb treten, die alles haben: Ausreichend hervorragendes Saatgut und dazu Subventionen – ich habe dagegen gar nichts mehr.”
In Mexiko hat Laura Carlsen ähnliche Beobachtungen gemacht, wenn es um Mais geht. Mais ist das Hauptnahrungsmittel der meisten Mexikaner und wird von vielen Kleinbauern angebaut. Als der durch Subventionen unglaublich billige US-Mais auf Mexikos Märkte schwappte, sei das nicht nur ein wirtschaftliches Problem gewesen. “Mais ist in Mexiko Teil der Kultur, im Kleinanbau ein wertvoller Faktor für den Umweltschutz und der wichtigste Job-Generator des Landes.” Mehr als zehn Jahre nach Beginn der Marktöffnung hätten 12 Millionen Kleinbauern im ländlichen Mexiko ihre Lebensgrundlage verloren. Ganze Landstriche seien entvölkert worden, weil Betroffene in die Städte abgewandert seien.

Im gleichen Zeitraum, betont Carlsen, habe es aber auch positive Erfahrungen gegeben. Am Beispiel Kaffee habe sich für sie bewiesen, dass Exportgüter nicht per se nachteilig für die Farmer sein müssten. “Vor allem in den bergigen Regionen Mexikos bauen Farmer heute eine Kaffeesorte an, die sich als ökologisch vorteilhaft für die kargen Regionen heraus gestellt hat.” Vor allem Kleinbauern hätten sich entschieden, die Cash-Crop Kaffee zusätzlich zu Mais oder anderem Getreide anzubauen, um sich damit Geldeinnahmen zu sichern. Viele hätten sich dabei auf besonders lukrative Sorten spezialisiert: Etwa auf ökologisch produzierten Gourmet-Kaffee, der deutlich höhere Preise erziele.
Die Diskussion “Jenseits des Freihandels – Nahrungssouveränität und Exportmöglichkeiten” fand am 15.12.05 im Rahmen des Böll-Forums in Hongkong statt.
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