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Kein transparentes Wasserforum
In Mexiko ist das Weltwasserforum zu Ende gegangen. Die Zivilgesellschaft blieb aussen vor - so war es auch von Anfang an geplant. Von Kim Weidenberg
 
Eine Beteiligung oder gar Information der Öffentlichkeit ist nicht der Anspruch des Weltwasserforums. Es handelt sich um einen technokratisch und ökonomisch orientierten Blick auf die Wasserressourcen der Welt.

Achtung: Beim Wasserforum handelt es sich nicht etwa um ein formell legitimiertes und anerkanntes politisches Gremium. Es ist weder berechtigt noch befähigt, politische relevante Leitlinien für eine internationale oder nationale Wasserpolitik zu formulieren. Das Weltwasserforum wird vom einem Weltwasserrat organisiert. Der Weltwasserrat, gegründet 1996, besteht  seinerseits aus 323 verschiedenen Firmen wie Suez (Frankreich), Tokyo Construction Consultant und US Army Corps of Engeneer Civil Works, neben internationalen Organisationen wie UNEP und der Weltbank, von welcher das Forum auch maßgeblich finanziert wird.

Gebühren als Selektionsmittel

Die Suche nach Programm und Unterlagen füllte die Zeit des ersten Konferenztages. Der Erfolg war ein Rollkoffer mit sieben Hochglanzkatalogen. Der Rollkoffer zerbrach nach 3 Stunden. Von den tausenden Seiten des Kataloges machten genau sechs Seiten das Programm der sieben tägigen Konferenz aus, die für die TeilnehmerInnen nur für fünf Tage zugänglich war. Die Eröffnungszeremonie mit Mexikos Präsident Vincente Fox und die Abschlusskonferenz mit der Deklaration der Minister waren für die Öffentlichkeit gesperrt.


Die HBS auf dem Weltwasserforum: Hier gibt es mehr

Den Unmut der TeilnehmerInnen über die Desorganisationen spürten zuerst die Hunderte von jungen HelferInnen. Die waren zumeist heillos überfordert, da sie über Änderungen im Programm nicht informiert wurden. Trotz dem Einsatz von Freiwilligen lagen die Preise für Stände auf der Wassermesse um die 25.000 Dollar. Dazu kommt der Eintritt von 600 USD pro Teilnehmer und die zumeist weite und teure  Anreise. So ist es folgerichtig, dass es sowohl unter den TeilnehmerInnen als auch  auf der Wassermesse kaum VertreterInnen von kleinen NGO’s  zu finden waren und nur vereinzelt politisch oder akademisch Interessierte.

Die parallel stattfindende Wassermesse glich einer Mischung aus Industriemesse, auf der neueste Technologien vorgestellt wurden, und einer Touristenmesse. Der Anstrich einer touristischen Veranstaltung wurde verstärkt durch die diversen kulturellen Veranstaltungen mit tanzenden schönen jungen Frauen und Männern in Bastrock und Federkleid. Diese stellten offensichtlich auch die Vertretung der indigenen Bevölkerung an dem Wasserforum dar. Eine weitere Beteiligung betroffener Bevölkerungsgruppen an den Podiumsdiskussionen war nicht spürbar, ebenso wenig die Beteiligung von Frauen an den Diskussionen.

Organisationschaos versus Sicherheitswahn

Der Mangel an Informationen wurde durch Hyperaktivität der Sicherheitsvorkehrungen ausgeglichen. Die Kontrollen waren allgegenwärtig und konfus, denn trotz 10-maligem Kontrollieren der Taschen schien niemand so richtig zu wissen, wonach eigentlich gesucht wird. Dass es sich hierbei auch um inhaltliche Kontrollen handelte, berichtete das internationale NRO-Netzwerk FAN (Freshwater Action Network), das als eine der wenigen Vertreter der Zivilgesellschaft auch mit einer Veranstaltung und einem Stand auf dem Forum vertreten war. FAN beschwerte sich in einem offiziellen Brief an die OrganisatorInnen des Wasserforums über inhaltliche Kontrollen und Konfiszierungen von Materialen und von Repressalien während einer Veranstaltung zu dem Menschenrecht auf  Wasser.

Kritische Stimmen gehen unter

Bereits im Vorfeld wurden die MesseteilnehmerInnen innerhalb des langwierigen Registrierungsprozesses auf kritische Äußerungen in der Presse untersucht. Trotz der vorherigen Selektion gab es diverse kritische Stimmen innerhalb des Forums. Am Sonntag  gab seitens des parallel stattfindenden alternativen Wasserforums eine Demonstration, die jedoch durch Informationsblockaden im Konferenzalltag untergingen. Ähnlich erging es einer japanischen Delegation, ebenso wie einer Gruppe von mexikanischen Indigenen, welche auf die Wasserproblematik in Mexiko vor allem in ihren Wohngebieten aufmerksam machten.

Die lokalen Initiativen waren offiziell durch lokale Autoritäten und Initiativen vertreten, um regionale Fallbeispiele vorzustellen. Viele Vertreter bemühten sich um Wohlwollen bei den die Podien leitenden Finanzinstitutionen wie Weltbank, Global Environmental Facility (GEF) und UN-Institutionen, um eine weitere Finanzierung ihrer Projekte zu gewährleisten. Somit gab es bei den Foren auch inhaltlich keine Überraschungen.

 
Blog: Baustellen der Globalisierung
 
Heinrich-Böll-Stiftung www.boell.de